Addyi – das Viagra für Frauen ist endlich da

Die sexuelle Revolution hat auch den Frauen die Türen zu einem erfüllteren Sexleben geöffnet. Frau weiß heute ganz genau, was sie möchte und fordert es auch selbstbewußt ein. Zahllose Frauenzeitschriften und Ratgeber bringen Tipps zu neuen Sexualpraktiken, die neuen Schwung ins Sexleben bringen sollen. Doch die scheinbare Dauerverfügbarkeit von Sex setzt manche Frauen auch ein wenig unter Druck. Kommt noch Stress im Beruf oder in der Beziehung hinzu, schlägt es oftmals ins Gegenteil um – die Frau hat keine Lust mehr, das Bett bleibt kalt. Was folgt, ist eine Spirale, an deren Ende der Frust steht, weil der Sex fehlt. Doch gegen diese Entwicklung können Frauen nun etwas unternehmen, die Pharmaindustrie hat ein Potenzmittel für die Frau entwickelt, das nun endlich zugelassen wurde – Flibanserin.

Neues Potenzmittel für Frauen

Seit einiger Zeit gibt es bereits ein Potenzmittel für Frauen – Lovegra. Dieses Präparat wirkt auf dieselbe Weise wie Viagra bei Männern, da es denselben Wirkstoff enthält. Lovegra sorgt ebenso wie die kleinen, blauen, rautenförmigen Pillen für eine bessere Durchblutung des Beckenbereiches, wodurch die Empfindsamkeit der Frau steigt und sie beim Sex mehr spürt. Nun wurde das Potenzmittel um ein weiteres Präparat ergänzt, dessen Wirkstoff direkt im Gehirn ansetzt – Flibanserin. Das Präparat wurde vor wenigen Wochen auf dem US-Markt zugelassen. Der Weg bis zur Zulassung der rosafarbenen Pillen war allerdings steinig. Doch sie haben das Zeug zu einem echten Erfolgsprodukt, was dem Entwickler des Medikamentes im Nachhinein allerdings ein wenig sauer aufstoßen könnte.

Der steinige Weg zur Zulassung

Bereits 2010 wurde das Präparat zum ersten Mal zur Zulassung vorgelegt. Das Gremium war allerdings skeptisch und war nicht davon überzeugt, daß der Nutzen höher ist als die damit verbundenen Risiken. Der Antrag zur Zulassung wurde abgewiesen, ebenso der zweite Antrag, der 2013 erfolgte. Der Entwickler des Präparates, das deutsche Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, bewies keinen langen Atem und war schnell frustriert. Bereits nach der ersten Ablehnung des Medikamentes verkaufte das Unternehmen das Patent an den US-amerikanischen Konzern Sprout Pharmaceuticals. Das Unternehmen war deutlich hartnäckiger, auch nachdem Flibanserin zum zweiten Mal von der Gesundheitsbehörde in den USA abgelehnt wurde, gab es nicht auf, sondern legte es zum dritten Mal zur Prüfung vor. Und dieses Mal sollte sich der Erfolg einstellen, im August dieses Jahres wurde das Viagra für die Frauen zugelassen.

Kuriose Wiederholung einer zufälligen Entwicklungsgeschichte

Das Potenzmittel für die Frauen könnte für ein Aufatmen in der holden Damenwelt sorgen. Untersuchungen zufolge leiden rund 40 Prozent der Frauen unter einer zeitweiligen oder längerfristig anhaltenden sexuellen Unlust, die natürlich für eine gesunkene Lebensqualität steht. Ein enormer Markt, den die Pharmaindustrie bereits seit Jahren im Blick hat. Doch sie hat lange gebraucht, um ein Präparat zu entwickeln, das zuverlässig wirkt. Ironischerweise hat sich bei der Entdeckung von Flibanserin die kuriose Geschichte der Entdeckung des Wirkstoffes von Viagra bei dem „Viagra für die Frauen“ wiederholt. Der Entwickler des Präparates, das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim, hatte ursprünglich vor, ein Präparat zu entwickeln, das gegen Depressionen eingesetzt werden konnte. Und bei Flibanserin handelt es sich tatsächlich um ein Präparat aus der Gruppe der Antidepressiva. Allerdings stellte man bereits bei den ersten Tests fest, daß der Wirkstoff noch eine weitere Wirkung aufwies, die den Frauen, die unter sexueller Unlust litten, wieder eine neue Lebensqualität verlieh. Der Wirkstoff erzeugte nämlich eine neue Lust auf Sex. Klar, daß das Unternehmen nicht zögerte und seine Arbeit ein wenig umstellte und fortan in diese Richtung weiterforschte.

Geringere Bildung von Serotonin, mehr Dopamin und Noradrenalin

Das Viagra für Frauen soll am 17. Oktober auf dem US-amerikanischen Markt eingeführt werden, der Preis ist bislang nicht bekannt. Der Spitzname, den das Medikament verliehen bekommen hatte, „Viagra für Frauen“, ist allerdings nicht ganz passend, denn der Wirkstoff Flibanserin setzt eine ganz andere Wirkung frei als der im Viagra enthaltene Wirkstoff Sildenafil, der auch im Lovegra enthalten ist, das daher eher den angesprochenen Spitznamen verdient hat. Wie bereits erwähnt, ist Flibanserin ein sogenanntes Psychopharmakum, das, anders als Sildenafil, nicht bei körperlichen Aussetzern hilft, sondern direkt im Gehirn ansetzt, genauer gesagt an den Serotonin- und Dopaminrezeptoren, wo es die Bildung von Serotonin senkt, ein Hormon, das lusthemmend ist. Die Produktion von Dopamin und Noradrenalin, Hormone, welche die Lust auf Sex steigern, werden hingegen in höherem Maße bereitgestellt.

Einmal mehr Sex im Monat

Allerdings ist die Wirkung von Flibanserin derzeit noch etwas umstritten. Die US-amerikanische Gesundheitsbehörde hatte, wie bereits erwähnt, die Zulassung abgewiesen, weil sie bezweifelte, daß die Risiken geringer sind als der Nutzen. Erst nach einer intensiven PR-Kampagne des Unternehmens Sprout Pharmaceuticals entschied sich die Behörde zur Zulassung. Unabhängige Untersuchungen scheinen dem Gremium Recht zu geben bei ihren Zweifeln. In Studien gaben lediglich 8 bis 13 der getesteten Frauen an, eine Wirkung zu spüren. Da das Medikament nicht wie Viagra kurz vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eingenommen wird, sondern regelmäßig über einen Zeitraum von zwei Wochen, bedeutete dies, daß die Frauen lediglich maximal einmal mehr Sex im Monat hatten.

Nebenwirkungen nicht unterschätzen

Dem gegenüber stehen die Nebenwirkungen des Präparates. Da Flibanserin in das vegetative Nervensystem und den Stoffwechsel von Serotonin eingreift, können alle körperlichen Prozesse beeinflußt werden, die damit zusammenhängen. Die Folge können unter anderem Herz-Rhythmus-Störungen sein, Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Verstopfung oder Durchfall. Das Medikament ist daher nicht für alle Frauen geeignet und muß von einem Arzt verschrieben werden. Bislang ist das Medikament nur für den US-Markt zugelassen worden. Wann oder ob überhaupt das Präparat in Deutschland zugelassen wird, ist unklar. Die Voraussetzung hierfür ist zunächst einmal, daß das Pharmaunternehmen Sprout Pharmaceuticals beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, einen Antrag stellt. Ob dies bereits geschehen ist, ist derzeit unklar. Aus Datenschutzgründen darf das BfArM keine diesbezüglichen Informationen herausgeben.